Freitag, 9. März 2018

Bienen

Letztes Frühjahr fand einer der magischsten Momente hier auf Terra Selvatica statt. Ein ganzes Bienenvolk hielt Einzug in unserem eher achtlos dahingestellten Bienenhaus, das bei Marco einfach keinen Platz mehr hatte und so bei uns zwischengelagert wurde. Unversehens. Vom Himmel her. Fügung. Segnung. Und all die grossen Worte. Wir fühlten uns reich beschenkt und irgendwie besonders, da wir von den Bienen selber als neue Bienenwirte auserwählt wurden. Die Natur besonders unberührt, die Luft besonders rein, wir besonders edel. Oder so ähnlich.

Ich muss vorausschicken, dass mir das ganze Bienentreiben (trotz des Films "more than honey") ein Rätsel ist. Ja, sie bestäuben, ja sie bauen Waben, zwecks Fortpflanzung und Nahrung. Und ja, sie produzieren Honig. Eigentlich für sich selbst, nicht für uns. Vorrat für harte Zeiten. Und Propolis stellen sie auch irgendwie her, da der eigene Hygienestandard im Bienenstock enorm hoch ist. Tendenziell nehmen wir den Bienen zu viel weg - auch das habe ich verstanden.
Und schon Rudolf Steiner hat gesagt, dass wenn die Bienen aussterben, verlieren wir Menschen eine unserer Lebensgrundlagen. Weil ja schliesslich niemand bestäubt, befruchtet usw.

Aber eben, der/die aufmerksame Leser/In merkt - ich hab den Durchblick nicht. Tatsache ist, dass die Bienen seit letztem Frühjahr bei uns sind. Eifriges Treiben herrschte im und ums Bienenhaus. Schwer beladen flogen sie zurück in den Stock, so dass man aufpassen musste nicht in die Anflugschneise zu geraten, da auch mal gestochen wurde. Bei der grossen Hitze vergangenen Sommers haben sie ein Kühlungssystem erfunden, in dem ganz viele Bienen ausserhalb des Stocks an Ort und Stelle "flatterten", bzw. mit den Flügel schlugen, um Luft und Frische zu gewährleisten. Äußerst einfallsreich. Ach so oft stand ich vor dem Bienenstock -in sicherem Abstand- und bewunderte ihr Tun und Sein. 
Marco, der einen Imkerkurs belegte, hat das Wohlergehen der Bienen überwacht. Gegen Ende des Sommers war jedoch nicht ganz klar, ob sie denn wirklich gesund seien, "unsere" Bienen. Schliesslich war das Bienenhaus gar nicht darauf vorbereitet gewesen, ein Volk zu empfangen, vielleicht noch irgendwelche Krankheitserreger eingenistet im Holz... Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall haben wir sicher gestellt, dass die Bienen genug zu essen haben über den Winter und ihnen zusätzlich Honig zugeführt. Doch oje - böse Überraschung als wir jetzt nachsehen - alle Bienen tot. Traurig. Zu kalt? Zu nass? Zu wenig zu essen? Kaum, denn aus den Waben trieft Honig. Den wir nun nehmen können. Ein letztes Geschenk.

Welche Kunstwerke. 
Welcher Fleiss.
Mit meiner Unkenntnis vermute ich, dass dies die Freestyle-Version eines Wabenbaus ist...

Mir gefällt's - und erst der Duft! Das ganze Haus ist erfüllt davon.


Jetzt gilt es allerdings den Honig aus den Waben zu extrahieren. Keine Zentrifuge zur Verfügung, doch die Salatschleuder tut es auch. In mühsamer Kleinarbeit können wir so knappe 2 Kilos Honig "gewinnen". Blumig ist er. Und das Butterbrot damit schmeckt doppelt herrlich!




Mittwoch, 17. Januar 2018

Haushalten (1) - Putzen und Wäsche

Haushalten. Haushalt. Haus halten. Welch interessante Begriffe! Ich merke, dass in meinem Sprachgebrauch (bis anhin) eine eher abschätzende, nicht würdigende Komponente mitschwang. "Nur" Haushalt. Haushaltsgerät versus Profi-Gerät - vor allem in der Küche. Minderwertig. Eine Haushälterin war eine bessere Putzfrau, nicht die, die mit weiser Voraussicht, klaren Ideen und rechnerischem Talent den Haushalt führt. Haushalten ist einfach, da braucht es keine Ausbildung, keine höheren Studien. Ist das überhaupt Arbeit? Immer noch minderwertig. Oder das alte Wort "Hausfrau"? Meine Mutter hat sich als Hausfrau bezeichnet. Der Wichtige war der Vater mit dem ausgewiesenen Beruf. Hausfrau zählte nicht so richtig. Sie war im Hintergrund tätig, stand im Schatten. Hat zugedient. Das war's.  Eigentlich schon fast kein selbständig denkender Mensch. Ja, klar - ich übertreibe. Doch ich bin bestürzt über meine inneren Bilder des Haushaltens oder der Hausfrau. Eben - minderwertig. Anhängsel. Kann nichts besseres. Beschränkt. Und ähnliche erniedrigende Begriffe. Das war meine Begriffswelt und die Prägung. 

Tempi passati - das Leben lehrt mich zum Glück etwas anderes. 

Dieses Jahr habe ich keine "Putzfrau", die mir hilft, die Gästezimmer zu pflegen und alles sauber zu halten. Keine Mirna, so hiess sie und hat eine Festanstellung gefunden, der ich die Putzerei delegieren kann. So packe ich mir Anticalcario, Pulivetro, WC-Ente und wie die Putzmittel auch alle heissen, statte mich mit sicher 10 Putzlappen und Trockentüchern pro Zimmer aus, und mache mich an die Arbeit. Oh, Staubsauger vergessen. Wieder runter in die Waschküche. - ah, und grad noch schauen, ob die Waschmaschine schon fertig gewaschen hat. Ja, hat sie - nasse Wäsche aufhängen oder in den Tumbler, schmutzige Wäsche rein. Und weiter geht's mit Putzen. Ooh, hier hat's noch ein Spinnennetz - und ich keinen Wedel - wieder runter in die Waschküche, geht im Gleichen grad noch die schmutzige Wäsche aus den Zimmern mitzunehmen, Staubwedel mit Verlängerung holen. Weiter geht's. Am Schluss fehlt dann noch der Wischmob und die Holzpolitur. Nach abermaligem Fitness-Treppenlaufen in die Waschküche, wo das Putzmaterial untergebracht ist und ich den nächsten Wäschehaufen bereit mache, kann ich das Zimmer endlich fertig putzen.  Nur noch die Betten beziehen und die frische Wäsche ins Badezimmer legen. Uff, geschafft! Noch ein paar Blümchen. Zwischenstopp in der Küche (weil sie auf dem Weg liegt), um zu sehen, ob die Bohnen im Ofen schon trocken sind. Blick auf die Küchenuhr. Was? 2 Stunden sind vergangen! 2 Stunden für ein Zimmer - da werde ich ja nie fertig…
Doch da hilft kein Kopfschütteln, Hadern oder Stampfen. Das nächste Zimmer ruft.  Die 2-stündige Erfahrung des ersten Zimmers wird berücksichtigt. Und tatsächlich mache ich schon ein paar Leerläufe weniger. Stolz.  Beim darauf folgenden noch besser - ein System wird erkennbar und die Arbeit geht schon fast von alleine. Und mehr noch - macht sogar Freude! Putzen? Freude? Was ist jetzt los mit mir? Eines ist klar, beim Putzen sieht man das Resultat sofort, auch der Wäsche-Berg wird immer kleiner. Und alles macht wieder "eine Gattung". Imminente Befriedigung. 
















Und das Allererstaunlichste ist, dass neben der eigentlichen Hauptaufgabe der  Zimmerreinigung so viel anderes auch noch erledigt wird. Die oben erwähnten Bohnen sind dafür ein gutes Beispiel, denn die müssen am Ende ihrer Trocknungszeit im Ofen ins grosse Einmachglas abgefüllt werden. Dasselbige ist jedoch nicht sauber. Also abwaschen. Trocknen. Abfüllen. Aufstellen. Sieht sogar als Dekoration gut aus. Und damit das Bohnenglas platziert werden kann, wird natürlich auch noch das Buffet geputzt... und überhaupt - da fehlt ein Blumenstrauss... den schneide ich grad vor der Haustür, einfach weil es in den Bewegungsablauf passt, weil es irgendwie aus dem Körper heraus entsteht. Die Haushalt-Zahnräder greifen ineinander, alles ist im Fluss. Es ist nichts anderes als ein grosses Energiefeld, in dem sich nacheinander und gleichzeitig (kein Widerspruch) sämtliche Partikelchen an ihren Platz fügen.

Ja, so betrachte ich einmal mehr die Dinge nicht nur auf der rein materiellen Ebene, sondern auch im Grossen Ganzen. Beim Putzen werden alte,  verbrauchte Energien aus den Zimmern gefegt, aus den Bettlaken gewaschen. Letzte Gedanken an die Gäste, die hier waren. Erinnerungen, Düfte, Abfall. Und Vorfreude auf die zukünftigen Gäste, die Terra Selvatica bereichern werden. Es wird neutraler, reiner Boden geschaffen, um immer wieder Neues willkommen zu heissen. Wohl-Fühlen. Auf jeder Ebene Reinheit, Klarheit und Ordnung. Es ist kaum in Worte zu fassen, doch dieses Vorbereiten für die, die kommen macht mich glücklich. Den Rahmen schaffen, die Energie setzen, das Willkommen feiern.

Immer wieder schweifen meine Gedanken in meine Kindheit, in der mir das Haushalten vorgelebt wurde. Und wie eingangs erwähnt - ich hab's verhöhnt. Ich wollte mit den Jungs auf die Bäume, hoch hinaus. Karriere, Chefetage, Erfolg. Kein Hausmütterchen. Und überhaupt diese Rollenaufteilung (oder Neudeutsch: Genderspezifikation) nein danke. Doch wo stehe ich jetzt? Ich lebe genau das:  Der Mann draussen auf dem Feld, mit dem Vieh, dem Traktor, der Motorsäge und ganz viel Tatkraft, die Frau drinnen am Herd, der Waschküche, mit Nadel und Faden, Bügeleisen und ganz viel weiser Voraussicht.

Unterdessen benötige ich pro Zimmer eine knappe Stunde, verspüre Vorfreude wenn es wieder darum geht alles für die Gäste herzurichten und Yin und Yang finden den Ausgleich im Aussen wie im Innen.




Donnerstag, 27. Juli 2017

Anhaftung

Mit diesem heissen Frühling und Sommer stehen die Chancen für einen exquisiten Wein recht gut. Die Trauben sind kräftig, die Reben voll behangen. Hoffnungen keimen, den Wein von vor 2 Jahren sowohl in Qualität als auch in Quantität zu übertreffen. Also wenden wir unserem Weinberg besondere Aufmerksamkeit zu. Immer wieder überprüfen, ob die Trauben auch genügend Sonne abbekommen. Aber auch nicht zu viel. Und vor allem Schutz vor dem potentiellen Hagel, der die Ernte gefährden könnte. Zweige ohne Trauben abschneiden oder kürzen, damit für die reifenden Trauben mehr Energie vorhanden ist. Aber eben - nicht zuviel. 
Wo lasse ich den Wildwuchs, wo nicht? Eine interessante Frage, mit der wir uns auf Terra Selvatica intensiv beschäftigen. Wo die Wildheit (selvatica)? Wo die Kultur? Beides nebeneinander. Wild und gezähmt. So steht es ja auch auf unserer Webseite..
Zurück zu den Reben: Mich fasziniert  wie sich die Zweige der Reben verhalten, bzw. festhalten. Will ich einen unproduktiven Zweig abschneiden, sehe ich mich einem Festhalte-Mechanismus gegenüber wie ich ihn noch selten gesehen habe. Da wird geschlungen, gewunden, geklammert. Ja nicht loslassen, ja festhalten. Überleben sichern.  Um jeden Preis, mit jeder Tücke. Man staune ob des Einfallsreichtums: 





Doch wenn die unproduktiven Zweige festhalten? An Unproduktivem, Nicht-Benötigtem. An dem, was nicht gut tut, Kraft und Energie nimmt. So überlege ich während der Arbeit, wo in meinem Leben ich denn noch festhalte. Wo kann ich Altes gehen lassen? Wo die Anhaftung, Anklammerung lösen? Wo Überlebensmechanismen mit LEBEN tauschen? Und  da und dort erkenne ich meine Anklammerungs - und nicht-Loslassstrategien. Meine Anhaftung an alte, nicht mehr gebrauchte Muster und Energien. Interessant. Die Natur als Spiegel zum eigenen Seelen- und Bewusstseinsprozess. Na dann, auf ein gutes Weinjahr!

Sonntag, 7. Mai 2017

Von der Erreichbarkeit und Touch ID

Ohne Smartphone ist das Leben kaum mehr vorstellbar - ein Muss. Auch für den Bauern, bzw. den Neubauern, die Neubäuerin.Schliesslich will man erreichbar sein. Für neue Gäste unter anderem. So mache ich mich morgens mit dem Smartphone in der Gesässtasche der Jeans oder der Jackentasche aus dem Haus.  Elektrosmog hin oder her. Um Olivenbäume zu schneiden, Rosen zu pflanzen, Rasen zu säen, Unkraut zu jäten und was halt alles so anfällt. Erreichbarkeit garantiert!
Schon bald wird es mir lästig, das kluge Phone, und es landet eingewickelt in der Jacke, dem Schal oder dem Pullover auf dem Boden, dem Mäuerchen, dem Tisch. Immerhin noch in der Nähe. Ergo hörbar. Ausser ich gehe weg, weil die Arbeit woanders ruft. Dann bleibt es liegen. Läutet oder nicht. Doch nicht erreichbar. Hm. Da muss ich an meiner Disziplin arbeiten. Mir angewöhnen, es zusammen mit Jacke oder Schal umzuziehen. Klappt ganz gut. Erreichbarkeit garantiert!
Von vorne: Jetzt ist es zwar immer in der Nähe, doch ist es eingestellt? Die Lautstärke des Klingeltons reguliert, so dass ich es auch hören kann wenn ich auf dem Baum bin oder der Rasenmäher lärmt? Daran habe ich nicht gedacht. Also immer noch nicht erreichbar… Ich weiss wie ich dem Abhilfeschaffe, schliesslich haben mich meine Kinder mit I-Phone-Basis-Wissen ausgestattet. So zücke ich also mein Smartphone und halte brav meinen Daumen zur Erkennung auf die dafür vorgesehene Taste. Der Bildschirm schüttelt sich, das Schlösschen oben in der Mitte zeigt mir, dass der Einlass in mein I-Phone verwehrt wird. Was soll denn das schon wieder? Ich bin doch willig, erreichbar zu sein oder zu werden. Abermaliger Versuch meines Daumens. Fingerabdruck. Erzittern des Bildschirms. Schlösschen. Wie gehabt. Beim dritten Versuch meines Daumens erscheint immerhin zitternderweise das Nummernfeld, so dass ich meinen (zum Glück in meinem Kopf gespeicherten) Code eingeben kann. Endlich entsperrt, und ich kann Lautstärke anpassen. Erreichbarkeit garantiert!
Und tatsächlich - das Telefon klingelt. Der Schreiner. Ich will abheben. Dafür muss ich ja am entsprechenden Ort über den Bildschirm wischen. Geht nicht. Schlösschen und so weiter. Der Schreiner gibt auf. Dann halt zurückrufen. Zum Entsperren Touch ID oder Code eingeben. Daumen auf Taste. Erzittern. Beim 3. Mal den Code. Geht. Mit dem Schreiner ist schnell alles geklärt. Was aber ist mit meinem klugen Phone? Erkennt es mich nicht mehr? Oder streikt es weil ich es eigentlich gar nicht bei mir haben möchte? Oder halt doch nicht so klug?
All das nicht. Nein. Meine Hände sind von der Gartenarbeit so rau und rissig geworden, dass der Fingerabdruck einfach nicht mehr stimmt. Digitale Identität verloren oder vorübergehend geändert.

Mittwoch, 26. April 2017

Panik im Hühnerstall

Fast seit Anfang an, sprich seit vier Jahren, haben wir Hühner. Zwecks Frühstückseiern. Vorwiegend. Als Neubauern wussten wir nicht so recht wie das mit dem Legen, Brüten und überhaupt dem Nachwuchs zu gelingen hatte. Ohne Hahn gar nicht. Das war klar. Doch darum kümmerte sich unser damaliges Haupthuhn, Gianna, in keinster Weise. Sie brütete einfach drauf los, so ungefähr 1 Monat lang, um danach die Aussichtslosigkeit einzusehen und wieder aufzuhören. 
Das war nichts desto trotz ein Zeichen, und wir machten uns auf die Suche nach einem Hahn. So Bibeli-Nachwuchs wär' doch 'was tolles. Den Hahn fanden wir, Hühner waren ja schon da, Eier wurden gelegt - doch niemand brütete. Keine Bibeli. Nicht mal ansatzweise.  

So ging die Diskussion mit Nachbarn, Bauernfreunden und vermeintlichen Hühner-Experten los. Brutkasten? Spezielle Bruthennen? Einen anderen Hahn? Gehege vergrössern oder verkleinern? Irgendwas? Wie so oft in Italien, gibt es so viele Meinungen wie Mitdiskutierende, und wir waren ratloser denn je. Und überhaupt war ja so viel anderes zu tun… Diskussion auf Eis. Entscheidung keine.

Unterdessen wurde der Hahn ersetzt, vom Nachbarn haben wir seit letztem Sommer Bruthennen, das Gehege blieb das gleiche, Enten als Nachbarn, der Frühling macht sich bemerkbar - und siehe da - Anfang März beginnt doch tatsächlich ein Huhn zu brüten. Sitzt in der Kiste und verlässt sie nicht mehr. Wir freuen uns. Endlich klappt's. 

Doch einmal mehr handeln wir unbedacht und unerfahren, denn wir lassen die Henne im gleichen Stall wie die anderen Hühner, im Hühnerstall eben (im Nachhinein wissen wir, dass dies ein "no go" ist). Mit dem Resultat, dass ca. nach 10 Tagen ein weiteres Huhn in der gleichen Kiste sitzt und ebenfalls beginnt zu brüten. In meinen Augen etwas eng das ganze. Die werden schon wissen was zu tun ist, sagen wir uns und lassen es geschehen. 
Jetzt ist es aber so, dass auch Bruthennen zwischendurch Nahrung aufnehmen und sich die Beine vertreten müssen. Ergo ist dann die Kiste unterbesetzt - und schwupp ein drittes Huhn drin, das ein Ei legen will. So werden's immer mehr Eier. Und ein Riesen-Gerangel, Geflatter, Gegacker um Plätze in der Kiste. Die beiden anderen Kisten, die sonst ebenfalls in Gebrauch sind, stehen leer. 
Einem Huhn ist das alles zu viel, und es sondert sich ab. Im Stall nebenan baut es sich ein eigenes Nest aus Stroh und beginnt dort zu brüten. Ganz in Ruhe. Für sich. Besagtes Huhn ist schlauer,  hat es doch eine Technik erfunden wie sie die halbgeschlossene Stalltüre überwinden kann. Das schafft sonst keine.  Ein wohl verdienter  Logenplatz. 

Genug vom Kampf um den Platz in der Brutkiste, entfernen wir dieselbe inklusive Eier und den beiden Bruthennen und stellen sie in den Stall des Logen-Huhns. Das hätten wir von Anfang an tun sollen, denn jetzt herrscht endlich Ruhe. Ausser bei uns. Denn unterdessen sitzt die eine Henne schon mehr als 3 Wochen (normale Brutzeit) und immer noch kein Bibi. Schon wieder 'was schief gegangen? Zweifel an unseren Hennen. An uns selber. Unwissen. Versagen. Dann stirbt noch die eine der beiden Kisten-Hennen, und unsere MIsere ist perfekt. Alles falsch gemacht.

Doch siehe da - nach mehr als 4 Wochen, genau am Ostersonntag, schlüpfen die beiden ersten Küken! All das hat es gebraucht. Scheinbar. Fast jeden Tag kommen neue Küken auf die Welt. Einige sterben. Wir installieren Heizlampe, kükengerechte Trinkgefässe und machen ganz viele Kontrollgänge um das Wasser stets sauber zu halten und den aktuellen Kükenbestand zu eruieren  Die Diskussion über den Brutkasten beginnt von neuem, da einfach zu viele Eier sind und die beiden Hühner das unmöglich schaffen können.  So wird endlich die Eierprobe gemacht, was wir schon längst hätten tun sollen, um zu überprüfen, wo überhaupt eine Chance auf Nachwuchs besteht. Dadurch reduziert sich der Eierbestand drastisch und das eine Huhn kann sich fortan auf die Aufzucht der Küken konzentrieren, während das andere weiter auf den Eiern brütet. Jobsharing nennt man das. So erblicken noch weitere 3 Küken das Licht der Welt, und auf 3 Eiern sitzt sie noch. Halleluja!


Fazit: Wenn wir das nächste Mal merken, dass eine unserer Hennen brütet, werden wir sie sofort von den anderen separieren. Wie sich das gehört. Damit sie ihre Ruhe hat und sich selbst regulieren kann. Und die unbefruchteten Eier werden wir frühzeitig eliminieren. Versprochen, das nächste Mal machen wir es besser. 

Dienstag, 25. April 2017

Unglaublich, wie die Zeit vergeht

Will ich diesen Artikel über die Panik im Hühnerstall schreiben - und merke voller Verblüffung, um nicht zu sagen Bestürzung, dass ich den letzten Beitrag im November, sprich  vor 5 Monaten, geschrieben habe. Wenn ich das nun aufs Jahr hochrechne, wären das fette 2, 4 Artikel pro Jahr - und mein Blog würde langsam aber sicher einschlafen. So war das nicht gedacht. Sondern, dass ich euch, liebe Freunde und Familie, des öfteren up-date über das andere Leben in Umbrien. Mit dem Wunsch, euch daran teilhaben zu lassen. Dass dieses "des öfteren" zu einem "fast nicht mehr" wurde, hat mit dem Faktor Zeit zu tun.

Einmal mehr wundere ich mich über die Zeit und ihre Tücken. Zuverlässig zählt sie 24 Stunden am Tag, doch für mich scheinen sie immer kürzer zu werden, diese Stunden. Oder haben sie keine 60 Minuten mehr? Ältere Leute sagen ja, dass mit dem Älter-Werden die Zeit schneller vergehe. Ist es jetzt soweit? Bin ich schon so alt? Von den gleichen älteren Leuten hörte ich dann, dass man mit zunehmendem Alter immer weniger Schlaf brauche. Kunststück, wenn sich die Zeit komprimiert, muss der Schlaf ebenfalls verkürzt werden, oder? Uff, geschafft, doch noch nicht soo alt - dies ist bei mir definitiv nicht der Fall. Im Gegenteil - man könnte meinen, je schneller die Zeit vergeht, desto mehr muss ich schlafen - als Gegenpol oder ausgleichendem Prinzip sozusagen. 

Wo geht sie denn hin, die Zeit? Da kommen mir die grauen Herren von Momo in den Sinn, die den Menschen die Zeit stehlen. Ob die bei mir am Werk sind? Oder hat sich meine Wahrnehmung der linearen Zeit dermassen geändert? Oder ist sie gar irrelevant geworden? Irgendwo in der Ewigkeit verschwunden. Der Ewigkeit des Augenblicks.

Samstag, 26. November 2016

Z'erscht machsch diis Züüg

Es ist wieder einmal die Zeit der Olivenernte. Ganz viele Helfer von nah und fern sind bei uns, um mit uns gemeinsam die wenigen Oliven dieses Jahres zu pflücken. Wie schon letztes Jahr, entsteht eine bunt gemischte Truppe, ein Sprachdurcheinander und reger Austausch.


Gerne wird am Abend gespielt - mit Bedacht darauf, dass alle mitspielen können. Unser Hauswürfelspiel "guerra e pace" bietet sich an, und die Regeln werden in 2 Sprachen erklärt. Esther fragt bei ihrer Freundin nach, wie denn jetzt das gemeint sei mit dem Angreifen beim Spiel, worauf Barbara antwortet: Z'erscht machsch diis Züüg und nachher gaht's wiiter. Oder so ähnlich. Hängen bleibt "z'erscht machsch diis Züüg". Und dies wird zum geflügelten Wort. Wenn man sich das mal genauer überlegt, liegt da eine tiefe Lebensweisheit dahinter, oder? Zuerst das erledigen, was es zu erledigen gilt. Zuerst etwas beenden, bevor etwas neues angefangen wird. Abschliessen. Der Sache auf den Grund gehen, nicht darüber hinweg. Bereinigen. Damit wir nicht ständig den ganzen Rattenschwanz unserer Vergangenheit mit uns herum schleppen und offen sind für neue, nächste Schritte. In diesem Sinne mach ich miis Züüg und wünsche euch viel Einsichten mit eurem Züüg!

Palmares




Das muss ja jedes Agriturismo, das auf sich hält (oder überhaupt jede touristische Einrichtung), sagen: Wir haben die besten Gäste.

Und das tun wir auch: Wir haben einfach die besten und tollsten Gäste!

Wir könnten Orden und Preise verleihen, eine Gedenktafel aufstellen oder euch einfach von Herzen danken - ihr seid die Besten!!!

Die Saison 2016 war die Saison der Premieren.

Ob beim Unkraut-Jäten, Reben schneiden, einfach "Sünnele" am Pool, Apéros zubereiten, Brot backen, übers Land gehen,  Rinder rufen, Schafe oder Hühner füttern, Fussball oder Boule-Spielen oder beim Verwöhnen-Lassen und Geniessen. Mit Interesse seid ihr dabei und taucht  in unser Leben ein und teilt mit uns unsere Leidenschaft. 

Die ersten "fremden" Gäste hatten wir - über's Internet auf uns gestossen - es gibt keine Worte für diese Erfahrung. Zuerst ganz nervös, ob es ihnen wohl gefällt und sie sich wohlfühlen, die ersten Gespräche und Rundgänge, gemeinsame Essen, Meinungs- und Erfahrungsaustausch, um schliesslich Freunde zu verabschieden. Auch internationaler sind wir geworden: Deutschland, Belgien, Frankreich, Holland, Amerika - und man staune - Italien.

Das Restaurant wurde im Juli eröffnet mit tatkräftiger Unterstützung von Dorothea, Philip und Christoph - ohne euch hätten wir es nicht so professionell hingekriegt. Danke für euren Einsatz! Sind die Gäste unseres holländischen Nachbars schon beinahe als Restaurant-Stammgäste zu bezeichnen (kamen sie doch letztes Jahr schon mehrmals…), sind neue hinzugekommen. Allen voran unser Klempner. Oder die Besitzerfamilie der Ferramenta, wo wir unsere "Agrikultur-Einkäufe" tätigen. Geburtstagsessen scheinen besonders beliebt bei uns - da noi. Wir halten am italienischen Menu-Aufbau fest, doch bereiten die Speisen leicht anders zu und fügen hier und da neue oder etwas andere Kreationen hinzu. Genau das lieben unsere Gäste - das etwas andere und doch eine bekannte Struktur. Mit dem Feedback sind wir zufrieden, warten jedoch noch auf Wiederholungstäter.

Das erste Mal voll ausgebucht - während einer knappen Woche.

Und Wiederbegegnungen mit Freunden und Bekannten aus vergangenen Tagen gab es. Unglaublich wer hier auf Terra Selvatica alles zusammenkommt. Herzerwärmend. Ein ehemaliger Angestellter aus meiner Restaurantzeit in Zürich, den ich seit ca. 28 Jahren nicht mehr gesehen hatte und der gleichzeitig zu unserem ersten Zechpreller wurde… Pascal, meine Freundin aus Aix-en-Provence, die ich bestimmt 10 Jahre nicht mehr gesehen habe. Und Magda und Elizabeth, noch länger her… Christina, die ich vor 6 Jahren in Rom kennenlernte und nie mehr gesehen habe. Und Neuentdeckungen wie Bruno, der für alle herrliche Saltimbocca kochte.

Morgen reisen die letzten Olivenernte-Helfer ab. Und die Saison 2016 ist endgültig vorbei. Dieses Jahr waren ausschliesslich Helfer aus dem Ausland zugegen, kein italienisches Pflückteam, auch eine neue Erfahrung. Unser 3. Olivenöljahrgang ist ebenfalls eine Premiere, wurde das Öl doch nach dem alten Prinzip zuerst mit den Mühlsteinen gemahlen und danach kalt gepresst. Der Unterschied ist gross, und wir freuen uns schon auf den Verkauf…

Last but not least - bleiben die Besten am längsten. Alain ist seit Anfang Oktober fest in unserem Team und kümmert sich vor allem um die Küche oder klettert zuoberst auf die Olivenbäume und spricht mit ihnen. Und Caroline hat entschlossen, ab nächstem März zu uns zu stossen und so ca. 1 Jahr (oder auch 2) zu bleiben und mitanzupacken. Ich freue mich jetzt schon auf die Erfahrungen - und das 2017!




Mittwoch, 7. September 2016

Erdbeben

Am 24. August bebte die Erde. Es ist das erste Erdbeben, das ich erlebe - und es hat mich tief erschüttert. Viele von euch haben angerufen, geschrieben, geSMSst, um zu wissen, ob es uns gut gehe. Danke für eure Nachfragen und euer Interesse an unserem Wohlergehen, das berührt.
Die Nachbeben gehen fast nächtlich weiter, es ist viel Bewegung in der Erde, in mir - und es ist ein Gedicht entstanden:

Erdherz

Die Erde bebt.
Rüttelt. Schüttelt.
Zittert.
Schwankt.
Energie wird frei gesetzt.
Eine Welle erfasst mich.
Die Erdwelle.

Ich liege in meinem Bett.
Und die Erde bebt.
Ich fühle mich zutiefst beschützt und aufgehoben.
Keine Angst.
Unsagbare Kraft.
Rein.
Direkt in mir.
Um mich.
Geborgen.
Gehalten.
Mutter Erde.
In ihrer Wiege, ihren Armen.

Ein blauer, heller Blitz.
Im Erdinnern.
Die Erde bebt.
Sie heilt sich.

Und ich lasse es in mir beben.
Lasse mich durchschütteln.
Woge mit.
Spüre bei jedem Zittern meine Verbundenheit.
Mein Herz.
Erdherz.
Wie es mich zutiefst erschüttert.

Ich spüre dich, Erdherz.
Weiss wieder wo ich hingehöre.
Wer ich bin.
Im Kern.
Ich breche auf.
Ins Neue.

Im Vertrauen.

Samstag, 13. August 2016

Unkraut

Wir kennen es alle, das Unkraut. Nämlich diese Pflanzen, die dort wachsen, wo man sie eigentlich gar nicht will. Und dazu noch im Überfluss. Wuchernd. Viel zu viel. Unkraut. Unding. Hält sich hartnäckig im Boden fest, mit Wurzeln, derer man kaum Frau werden kann. In Mauerritzen, steinigem Boden und unwirtlichem Gelände. Zwischen den Tomaten, den Bohnen, Gurken, Erdbeeren. So dass man die gewünschten Gemüse und Beeren nicht gut pflücken kann oder das Wesentliche, nämlich die reifen Früchte, übersieht. Oft stachelig, alles umwindend oder klebrig. Unkraut. Auf jeden Fall fehl am Platz. Ungewollt. Ungeliebt.

Und total verkannt!

Nein, ich will das nicht schön reden, ich will es ja auch nicht, das Unkraut, das übrigens immer öfter "Beikraut" genannt wird. Doch man führe sich vor Augen welche Überlebenskunst da drin steckt! Da kann sich der Mensch doch einiges abschauen. Grünen und Blühen in den widrigsten Umständen. Unbändige Lebenskraft. Lebenswille. Immer der Sonne entgegen. Wachsen. Emporrecken. Tief verwurzeln. Reines Leben. 
Reines LEBEN.
Und das reissen wir ständig aus. Entwurzeln es. Muss ja auch sein, denn die Gurken, Bohnen, Tomaten wollen auch wachsen und nicht fremdüberwuchert werden. Wollen auch dem Licht entgegen. Die Frage drängt sich auf, was denn passieren würde, wenn wir Menschen nicht einschritten. Wildes Wachstum, das Gesetz des Stärkeren. Würden wir dann unsere Salat- oder Gemüsespezialitäten mit Beikraut zubereiten? Büffelmozzarella mit Disteln servieren? Anstatt Erdbeereis Windenhalbgefrorenes?

Jetzt gilt es noch abzuwägen, ob denn alles , was einfach so wächst, ungewollt und wild, als Unkraut, bzw. Beikraut zu bezeichnen ist. Definitiv nicht. Wer möchte denn nicht wilden Ruccola essen oder zarte Löwenzahnblätter in den Salat mischen? Oder gar Brennnessel-Gnocchi? Die Brombeeren wachsen überall auf unserem Land, sind zwar eine Plage, da sie sich rasant vermehren - nichts desto trotz schmecken die Beeren herrlich…

Spinnen wir doch den Faden einmal weiter vom "Leben ausreissen" und "Entwurzeln": Wie verwurzelt, bzw. entwurzelt sind wir eigentlich? Gehen durch die Welt, am besten mit dem Mobiltelefon, und voller Pläne und Vorstellungen wie denn alles sein sollte oder zu sein hat. Kein Platz für wild Wucherndes. Kein Platz, wirklich seine Wurzeln zu spüren, zu finden oder zu verankern. Kein Platz für realen Boden. Wie viel Schein ist in unserem Leben? Darstellen, gut dastehen, kultiviert und angepasst sein. So ist das Unkraut nicht - und in diesem Zusammenhang passt auch Beikraut nicht, denn das wäre ja schon wieder gezähmt (zumindest verbal). Nein, Unkraut ist es, das wild und ungezähmt wächst, das seine Wurzeln tief in die Erde schickt und immer voller Kraft seinen Weg geht.

Und so bin ich nun in unserem Gemüsegarten und jäte Unkraut, Stunden um Stunden, denke übers Verwurzelt-Sein nach, lasse Emotionen von Wut (Scheissunkraut), Verzweiflung (dem werde ich nie Einhalt gebieten) und Bewunderung (welche Urkraft) kommen und gehen. Lasse mich reinigen von der Arbeit, der Bewegung, dem Wind, dem Vogelgezwitscher und der Sonne auf der Haut. Im Wissen, dass das Wilde auf Terra Selvatica seinen Ausdruck sucht (und findet) und mir erlaubt, meine eigene Ur-Kraft zu spüren.

Und nach diesem ganzen Exkurs habe ich eine steife Schulter und der Gemüsegarten ist in Ordnung….




Montag, 28. März 2016

Kohle-Skulptur

Es geht darum, alles für unsere Hochlandrinder bereit zu machen. Nächsten Montag fahren wir zum Züchter, um unsere zukünftigen Tiere auszusuchen. Daumen drücken. 
Sie sollen es gut bei uns haben. Genügend Auslauf. So umzäunen wir also 2 Hektaren Weide- und Waldgebiet. 
Natürlich an den richtigen Tagen, laut Mondkalender. Damit die Pfosten auch gut halten. Am meisten Kopfzerbrechen macht uns der Unterstand, schliesslich brauchen die Tiere Schatten und Schutz vor dem Regen. Hochlandrinder sind sich kalte Temperaturen gewohnt, wo also ist dieselbe am ehesten gewährleistet? Sicher nicht an den windgeschützten Stellen weiter unten. Auf dem obersten Punkt unseres Landes wird vermutlich der Unterstand thronen. Im Halbschatten des Dickichts, welches wir durchforsten, um den geeignetsten Platz zu finden. Hier.
Da steht diese Kohleskulptur und zeugt von einem alten Brand. Mahnmal der Vernichtungskraft des Feuers. In seiner Schönheit einmalig. Ehrfurchtgebietend. Darum herum hat sich die Natur wieder organisiert und grünt und blüht unerschrocken. Und bekanntlich hat ja Feuer eine reinigende Kraft, der Boden für neues ist gelegt.



Obertöne

Viel Frühlingsarbeiten im Garten. Ich nehme mich der im Herbst gepflanzten Trauerweide, der beiden Linden und sämtlicher Pflanzen rund ums Schwimmbad an. Erde lockern mit der in der Schweiz gekauften Gartenhacke. Das Schweizerkreuz auf dem Stiel bezeugt es. Während des Hackens höre ich einen anhaltenden Ton. Ich halte inne. Woher kommt er, der Ton? Vom Nachbar? Was macht er? Ratlosigkeit. Weiterhacken. Schon etwas irritierend dieser andauernde Ton. Tinitus? Wessen? Meiner nicht. Hört sich das überhaupt so an? Keine Ahnung. Weiterhacken. Ich treffe einen Stein mit der Hacke, einen grossen. Der dabei erzeugte Ton ist sehr hell und laut. Und schwingt nach. Und schwingt nach. Und nach. Und nach. 
Das Rätsel ist gelöst. Die Hacke als Musikinstrument, das Obertöne erzeugt. Meine Mutter ging vor vielen Jahren ins "Obertonsingen" und hat es mir live demonstriert. Das hat zwar anders getönt, doch so schweifen meine Gedanken zu meiner Mutter, die damals gerne die Erde bei uns im Garten hackte. 
Zwischen Hacken, Obertönen, Sonne auf der Haut, der Weite des Landes ist sie plötzlich sehr präsent, meine Mutter. Ich fühle mich ihr sehr verbunden. Die Liebe zur Natur kommt definitiv von ihr. Ich kann mich erinnern wie sie mit mir als Kind Zwergenhäuser aus Birkenrinde, Zweigen, Moos und Tannenzapfen bastelte - am Fusse eines Baumes, in den Wurzeln. Halt wo die Zwerge wohnen. Naturgeister wie Feen und Elfen gehörten mit zur Inszenierung. Feinstofflich. Unvergesslich. Verinnerlicht. Beseelte Natur. Welch Reichtum! Und viele gemeinsame Momente im Garten beim Unkraut jäten oder Himbeeren zurückschneiden, Johannisbeeren pflücken oder Rosen winterfest machen kommen mir wieder in den Sinn. In der Erde wühlen. Jede für sich und doch gemeinsam. Gemeinsam an der Arbeit. Das war mir so  gar nicht bewusst, dass einer der Grundsteine für Terra Selvatica bei mir dermassen früh gelegt wurde. 
Weiterhacken, unterdessen bin ich in der Mitte der Lorbeerhecke, spüre den Wind in den Haaren und fühle mich getragen vom Oberton der Gartenhacke und den Gedanken an meine Mutter. Sie sagte, dass Obertöne die verschiedenen Ebenen verbinden und  Ursprung bedeuten. Mit dem Ursprung verbunden. Urchig tief und gleichzeitig engelhaft himmlisch. Oben und unten.  Ursprung und Jetzt. Ewigkeit. Die Schwingung verbindet alles.  Und meine ganz persönliche Materie, mein Körper, erfährt dies am heutigen Tag in jeder einzelnen Zelle ganz besonders. Beseelt, verbunden und frei.

Samstag, 12. März 2016

Getting ready


Damit für unsere erste offizielle Gäste-Saison alles bereit ist, wird mit grossem Eifer Hand, bzw. Hände angelegt:




Sicherheitsgeländer bei der kleinen Bar-Terrasse, Sonnenuntergang ohne Gefahr.



Boule-Platz, hier in Italien heisst es natürlich Boccia, doch die Kugeln sind mir zu gross, also werden wir es à la Française spielen. Auch hier kommt dann noch das Sicherheitsgeländer zwecks Gesetzesauflagen...














In der Serra werden alle Pflänzchen unter liebevoller Hege und Pflege von Peter grossgezogen, damit sie dann im Gemüsegarten so richtig gedeihen können.


Aufbau der Pergola für die heissen Sommertage. Sie wird von Pflanzen überwachsen sein, eines Tages. Vorwiegend Glyzynien, doch bis alles bedeckt ist, dürfte es noch ein paar Jährchen dauern. In der Zwischenzeit muss ein Bambusrohr-Provisorium reichen.


Bei windigem Wetter pfeift der Wind durch die Röhren.

Webseite

Die vergangenen 2 Monate waren geprägt vom Texten und Einbauen unserer jetzt endlich "scharfen" Webseite, die ihr unter

www.terraselvatica.ch
www.terraselvatica.com

einsehen könnt. 



An dieser Stelle möchte ich allen Helfern von Herzen danken! Vor allem Barbara, deren Spitzfindigkeit und Einsatz ohne gleichen sind. Und Gaby, die mein Englisch überprüft und verbessert. Alexandra, danke, dass du alles unter die Lupe genommen hast und hilfreiche Verbesserungsvorschläge liefertest.
Die französische Übersetzung ist in Arbeit. Ich staune ab mir selber, dass es mir nach all diesen Jahren des Nicht-Praktizierens der französischen Sprache so leicht fällt. Und bin schon im voraus dankbar, dass Willi sich der Korrektur annehmen wird.

Viel Freude beim Lesen! 


Sonntag, 3. Januar 2016

Jahreswechsel - Gleichzeitigkeit



Ich schaue auf das vergangene Jahr zurück.

Was hat das 2015 ausgezeichnet? 

Einmal mehr die Gleichzeitigkeit der Dinge. 

Eine Riesen-Lektion im "Multi-tasking", das ich eigentlich gar nicht will und doch passiert es immer wieder. Was also gilt es zu lernen? Mehr Fokus? Mehr "nein" sagen? Verlangsamen? Nur noch etwas aufs Mal? Nicht so viel wollen? Ansprüche zurückschrauben? Mehr der Dynamik des Lebens vertrauen? 
Alles von dem, sicher. 
Doch noch mehr  gilt es, alte Verknüpfungen im Hirn, alte Synapsen und Glaubenssätze, zu lösen und zu löschen. Sie machen den Körper, die Seele, den Geist, träge und schwer. Diese inneren Stimmen, die mir immer wieder ins Ohr flüstern wie ich oder der andere oder überhaupt das Leben sein sollten. Sie sind zu laut geworden im 2015. Haben mich abgelenkt. Vom wahren Sein. Von mir.

Ich will Multi-tasking eigentlich nicht, ok. Einverstanden. 
???
 Habe ich gemeint.
Wenn mir das Leben jedoch etwas anderes zeigt? Wenn ich gerade darin aufgehe? Wenn es mich beflügelt? Meinem Wesen in diesem Moment entspricht? Was dann?  
-  Dann geht nur noch loslassen. Das Loslassen dieser festgefahrenen Sätze. Das Loslassen der Idealvorstellung, die ich von mir selber habe und die ich erfüllen möchte. Der Stress ist nicht die Arbeit, nicht die Gleichzeitigkeit, es ist die Vorstellung, die Idee, dass es anders sein sollte. Dass ich anders sein sollte. Nichts erschöpft mehr als das.

Nun bin ich hier auf Terra Selvatica und habe viel zu tun. In der Küche, im Garten, auf dem Feld, der Baustelle, mit den Tieren, im Haushalt, mit den Zimmern, den Gästen,  der Webseite, der italienischen Administration, dem Planen, Rechnen, Organisieren etc…… Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben noch nie soviel aufs Mal bewältigt habe. Ja, das ermüdet. Ich kann's mir ansehen. 
Und gleichzeitig ist da diese tiefe Befriedigung, stille Freude und immense Dankbarkeit. Dass ich die Freiheit und Kraft habe, dieses Abenteuer zu wagen. Dass ich mit Peter den Partner an meiner Seite habe, der diesen Traum versucht mitzuträumen.

Was bedeutet das fürs 2016?

Dass ich die Gleichzeitigkeit feiern werde! 
Schliesslich ist die Zeit ein menschliches Konstrukt. Eins nach dem anderen. Linear. Damit schaffen  wir Ordnung, setzen Regeln. Und meinen, dass so das Leben einfacher wird  - vermeintlich. 
Es geschieht alles gleichzeitig. Wir brauchen einfach eine der unendlichen Möglichkeiten zu wählen - oder in meinem Fall mehrere - und kreieren, leben. Es liegt alles in unserer Hand. Und das will ich dieses Jahr nicht vergessen. Dass ich es in der Hand habe. Und nur ich mich beschränken kann (...und manchmal die italienische Gesetzgebung und Bürokratie…). Und wenn ich mich wieder zu sehr erschöpfe, werde ich an diesen Punkt der Gleichzeitigkeit gehen, den Nullpunkt - die alten Gedankenmuster und Glaubenssätze überprüfen - und neu wählen!

Auf ein gut gewähltes 2016!



Samstag, 2. Januar 2016

Heinzelmännchen

Es gibt sie eben doch, die Heinzelmännchen. Unermüdlich arbeiten sie wenn der Meister schläft oder sonst mit der Arbeit nicht nach kommt. Sie sind nicht zu sehen, nicht zu hören, im Stillen und Geheimen gehen sie ihrer Tätigkeit nach. Ganz im Dienste der Natur und der Arbeit, die es zu verrichten gibt. 
Um so glücklicher schätze ich mich, dass ich auf meinem Nachmittagsspaziergang übers Land eines entdecke. Hoch oben im Baum schneidet es die dürren Äste ab, sehr um Gleichgewicht bemüht, von der Sonne beschienen, im Einklang mit Allem.



Und bei besserem Hinsehen, kann ich auch das zweite Heinzelmännchen ausmachen. Denn alleine ist nichts zu schaffen.