Dienstag, 23. September 2014

Die Kultur der italienischen Schürze


Ja, ich habe meine Mutter damals am Herd und bei der Küchenarbeit auch mit einer Schürze ausgestattet gesehen. Meist hatte dieselbe so ein Brustteil, das hinten um den Hals herum hielt und wurde auf dem Rücken zusammengebunden. In den Taschen wurden Taschentücher und Fernsehraum-Schlüssel versorgt - und man konnte tatsächlich am Zipfel hängen…. Das war irgendwie ganz normal. 
Als ich selbst Mutter wurde und immer mehr Haus- und Küchenarbeit verrichtete, verzichtete ich jedoch auf dieses Kleidungsstück. Habe lieber einen Flecken riskiert, als dieses altmodische, unförmige Teil zu tragen. 

Anders hier in Italien. Hier gehört die Schürze zur Basis-Ausstattung einer jeden italienischen Mama oder Nonna. Beim Kochen, Einmachen, Decken schütteln, Putzen, Hausarbeit verrichten ist sie ein MUST. Mein Auge muss sich zuerst wieder daran gewöhnen, dass Frauen Schürzen tragen. Ich bevorzuge nach wie vor die Hände-an-den-Jeans-abputzen-Variante, doch bin sehr versucht, die italienische Ganzkörperschürze auszuprobieren. Am Markt in Ponte San Giovanni ist es dann soweit - ich sehe das für mich in Frage-kommende Modell - unförmig wie eh und je, das Muster zum Schreien, die Farbe hingegen passt. Da nützt kein Widerstand mehr - gekauft. 


Und hier das Modell "im Fundus der Vorbesitzer entdeckt":



Montag, 22. September 2014

Gianna

Gianna war von Anfang an ein ganz spezielles Huhn. Sie war am neugierigsten, hat am schnellsten mit uns Kontakt gesucht und hat schnell so eine Art Vorrangstellung sowohl bei den Hühnern als auch bei uns etabliert. Eines Morgens jedoch verlässt sie den Stall nicht, sondern sitzt in der Kiste, wo sie normalerweise die Eier legt. Unkundig wie wir sind, denken wir, dass sie krank ist und wollen nach ihr schauen. Beim Näherkommen können wir feststellen, dass sie ihr Federkleid stellt (sagt man dem so??) und so eine Art Fauchgeräusche von sich gibt. Als würde sie uns warnen "kommt ja nicht näher". Unmissverständlich. Also stop. Was ist los? Wir rufen Luca zu Hilfe, der uns dann erklärt, dass sie am Brüten ist. Ok. Hm? Jetzt haben doch immer alle erzählt, dass es ganz bestimmte Bruthennen gibt und die normale Durchschnitts-Henne das nicht tut. Hä? Und unsere Gianna macht das jetzt einfach? Aus heiter hellem Himmel? Irgendein innerer Schalter umgekippt? Ist sie eine verkappte Bruthenne? Oder eine Spätzünderin? Einfach verwirrt?

Was geht ab? Die Neubauern verstehen gar nichts mehr. Auch die Alt-Bauernnachbarn stehen vor einem Rätsel. Wir beobachten einfach weiter. Gianna sitzt und sitzt und sitzt. 1 Woche, 2 Wochen. Wir machen uns langsam Sorgen. Eier werden's immer mehr, doch Sinn macht die ganze Geschichte keinen, denn da ist kein Hahn (der kam erst danach - siehe unten), der für die Befruchtung hätte zeichnen können. 

Einmal mehr geht es ans Internet, was diesmal nicht hilfreich ist, denn hier ist der Tenor über Hühner, die unbefruchtete Eier brüten, kritisch. Sie seien in Gefahr, man müsste ihnen die Eier wegnehmen, sie ausschliessen, dass sie nicht mehr an die Eier kommen, sie brüten sich zu Tode. Heisst es. Oh Schreck. Doch nicht unsere Gianna. So versuchen wir, Gianna zu überlisten, indem wir ihr angebrütete Eier (von Gianfrancos Bruthenne) unterjubeln und von den aussichtslosen entfernen. Damit die ganze Sache einen Sinn ergibt - und uns im Optimalfall Zuwachs im Hühnerhof beschert. Und weiter geht's 3 Wochen, 4 Wochen. Gianna verlässt die Kiste nur, um Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen, sich im Dreck zu baden und sich die Beine zu vertreten, höchstens 10 Minuten pro Tag. Und wieder rein in die Kiste.



Ganz aufgeplustert liegt sie da und "büschelt" immer wieder ihre Eier um. 

Und wiederum eines Morgens verlässt sie die Kiste, spaziert  im Garten herum. Wie in alten Tagen. Was ist jetzt los? Bibeli (Küken) geschlüpft? Der Schalter wieder umgekippt? Keine Ahnung. Gianna hat jetzt einfach beschlossen, dass es reicht mit dem Leben in der Kiste, auf den Eiern. Ok. Als wir die Eier anfassen, sind alle ganz kalt. Aus der Traum vom Nachwuchs, der Bruthenne. Doch den Floh haben wir jetzt im Ohr - wir wollen Zuwachs - und einen Güggel (Hahn), der sich darum kümmert. Und über Bruthennen werden wir uns noch richtig schlau machen. Oder Gianna den Schalter umkippen lassen...

Flügel stutzen - Federn lassen

Jetzt ist es ja so, dass unsere Hühner schon immer sehr unternehmungslustig waren, eine hat sogar bei all dieser Abenteuerlust ihr Leben gelassen. So waren's nur noch 2 - und die konnten wir auch ganz gut in Schach halten. Mit dem Neuzuzug von 2 weiteren Hühnern und dem Güggel (Hahn) hat sich jedoch alles verändert. Es wurden wieder Ausflüge übern oder unterm Zaun hindurch gemacht, Erdbeeren aus dem Garten gegessen und vor allem Peter's terra preta-Ansatz (so eine Art Kompost) nach Würmern durchscharrt, so dass wirklich Schaden entstand. Immer wieder mussten wir sie in ihr Gehege zurück treiben um sie selbst vor dem Hund und unser Gemüse vor ihnen zu schützen. Das ist nun aber kein Zustand - so haben wir uns entschlossen, ihnen die Flügel zu stutzen.

Es lebe das Internet, wo es youtube-Filmchen gibt, die den Neubauern Hilfestellung leisten. An dieser Stelle - RRhase sei dank. Wir packen also Schere und Mut ein und überlisten die Hühner frühmorgens als sie noch im Stall sind:



Zuerst etwas zögerlich, doch dann - weg mit den langen Federn!



Geschlechtertrennung: Weibchen werden vom Weibchen (das wäre dann ich) gehalten, der Hahn vom Mann.


Und alles gut überstanden! Froh Pick!



Sonntag, 31. August 2014

Passata

Gäbe es ein Reklamebild für's Passata-machen bei uns, wäre es dies:


Doch ohne die richtige Gesellschaft und das Gemeinschaftserlebnis ist alles nichts wert, oder?




Jil, Andrea und Dominique sind mit Freude und Leidenschaft bei der Sache.
Leidenschaft - Passion - Passionata - Passata.
Alles klar?
Und Leonie schläft.


Aus:

wird:

…und abgefüllt

Die ersten 60 Flaschen sind schon in der Schweiz, dank Hänggi's Vertriebsnetz.
Dangge - Hänggis!!


Sonnenuntergang


Die Sonnenuntergänge sind nicht mehr die gleichen.


Mittwoch, 6. August 2014

Das Leben ohne Uhr

Über die Illusion der Zeit habe ich mich ja schon ausgelassen. In diesem ganzen Prozess des Zeit-Loslassens, des Eintauchens in die Nicht-Zeit bzw. OHNE ZEIT und die zu haben, hat meine Uhr - als Sinnbild sozusagen- den Geist aufgegeben. Das Universum zwinkerte: Was? Die Zeit ist eine Illusion? Du willst ohne Zeit leben? Dann bitte. Die damals teuer erstandene Schweizer Markenuhr steht still. Kein Wank. Auch sie keine Zeit mehr. NICHT-ZEIT.

Das war im April.

Bei meinem nächsten Besuch in der Schweiz bring' ich sie zum Reparieren. Das Leben ohne Uhr kann ich mir nämlich doch nicht vorstellen. Praktiziere es aber notgedrungen bis meine heissgeliebte Uhr wieder in meinen Händen ist. 

Unterdessen ist es August. Seit Ende Juni bin ich wieder im Besitz meiner Uhr. Sie liegt in Basel auf dem Treppengeländermäuerchen (welch Wort…). Seit der Reparatur ungebraucht. Wiederum im Stillstand. Eben FUORI TEMPO.
Ich hab's probiert, die Uhr wieder anzuziehen. Vergeblich. Zu schwer. Passt nicht. Fremd. 
Meine Zeiteinteilung läuft unterdessen ganz anders: Mit "vorher" und "nachher", "morgen" oder "nächste Woche". "Wenn ich die Zigarette geraucht habe". "Während die Sauce einkocht, reicht die Zeit, um die Bohnen zu pflücken" oder "Schwimmbad einfüllen = Unkraut jäten und Tiere füttern". Beim Aufstehen. Bei Sonnenuntergang. Wenn der grosse Wagen über dem Nussbaum steht. Die Glühwürmchen tanzen. - Alles Zeitangaben.

Sonntag, 3. August 2014

Namen

Das mit den Namen ist ja so eine Sache. 
Die "terra umbra" war schnell klar, schliesslich ziehen wir nach Umbrien. Also lautet unser Blog auf diesen Namen. 
Für unsere società agricola kam er allerdings nicht in Frage, da ein Hotel in Umbrien bereits den gleichen Namen trägt. Die Suche ging von neuem los. Und manchmal ist das Naheliegendste, dasjenige, das passt. "Terra Selvatica". Schliesslich sind wir ja in Fratticiola Selvatica gelandet und die Erde hier ist wild.
Jetzt sind wir in einer neuen Diskussion. Soll denn unser Agriturismo den Namen der società agricola tragen? Oder geben wir ihm einen eigenständigen Namen? Was bedeutet das für unsere zukünftige Webseite? Gibt es dann 2? Ist das nicht alles viel zu verwirrend?Ach... Im Moment sieht es so aus, als würden wir die Variante mit 2 Namen wählen. Und unser Agriturismo hiesse dann "da noi". Schliesslich kommen unsere Gäste ja zu uns! Zu uns auf die wilde Erde in Umbrien.